Kundenfreundlich

Das die Deutsche Bahn mal wieder kräftig Mist gemacht hat, in den vergangenen Tagen, konnte jeder in der Presse nachlesen. Aus Kostengründen haben sie Klimaanlagen eingebaut, die nur bis 32 Grad funktionstüchtig sind. Also ich meine ja nur, das die Debatte um die Erderwärmung nun nicht erst seit einem Jahr geführt wird und auch beim damaligen Vorstand der Bundesbahn angekommen sein müsste. Dazu kommt noch, dass ich meine Lästerwoche habe und dieses auch schon am letzten Montag gemacht habe. Was aber der Regionalverkehr hier vor einigen Tagen abgeliefert hat, spottet jeglicher Beschreibung.

Anfang letzter Woche war hier im Ruhrgebiet war für den Nachmittag ein starkes Gewitter angekündigt. Eigentlich nichts Außergewöhnliches, sollte jeder meinen. Die einzigen, die davon überrascht wurden, war der Verkehrsverbund Rhein Ruhr. Um die Mittagszeit machte ich mich auf den Heimweg, der ungefähr zehn Kilometer beträgt. Bus, Bahn und Straßenbahn, in dieser Reihenfolge benutzte ich werktäglich diese Verkehrsmittel. Der Bus war noch einigermaßen pünktlich, nur 5 Minuten Verspätung, aber der Zeitpuffer für die von mir bevorzugte Bahn war noch ausreichend. Nach einer kurzen Fahrstrecke sah ich schon die Bochumer Straßenbahnen stehen und dachte mir nichts Schlimmes dabei, leider sollte ich eines besseren belehrt werden.

Auf dem Bahnhof angekommen, setzte ein starker Wind ein, in Anbetracht der angekündigten Gewitter für mich noch immer kein Grund zur Beunruhigung. Nach ungefähr 15 Minuten ergoss sich ein starker Regen über den Stadtteil Wattenscheid. Das kurz vor dem Verfall stehende Dach über dem Bahnsteig trotzte den Wassermassen und hielt mich trocken. Die Lautsprecher krächzten die erste Durchsage, dass der Zug mindestens eine Verspätung von 60 Minuten haben würde. Also Ersatzstrecke mit einem Umsteiger per Bus um wenigstens nach Essen zu kommen.

Nach dreißig Minuten Fahrt durch entlegene Winkel des dörflichen Ruhrgebiets und eine landschaftlich wirklich schönen Strecke durch Felder und Wiesen landete ich dann an der Endhaltestelle in Essen Steele. Hier gab es einen kleinen Busbahnhof, einen Bahnhof und eine Straßenbahnhaltestelle. Meinem Weiterkommen in Richtung Hauptbahnhof sollte nichts mehr im Wege stehe. Lediglich einige im Bahnhof stehende Züge und ein Pulk von mehreren Hundert Menschen an der Bus- bzw. Tramhaltestelle machten mich ein wenig stutzig. Nachdem ich die Treppen zu den stehenden Zügen erklommen habe, brachte mir die Durchsage einer genervten Stimme aus den krächtzenden Lautsprechern Gewissheit: „in den nächsten Stunden ist der gesamte Bahnverkehr im Verkehrsverbund eingestellt“

Voller Optimismus schaute ich hinunter auf die anderen Haltestellen und sah einige der blaugewandeten Mitarbeiter der EVAG, die immer hektischer hin und her liefen. Frage ich mich halt durch und freue mich auf mein Zuhause. „Entschuldigen Sie, fährt die Straßenbahn oder muss ich den Bus nehmen, wenn letzteres dann welche Linie“ so meine freundliche Frage an den Mitarbeiter der örtlichen Verkehrsgesellschaft. „Tram fährt auf unbestimmte Zeit nicht, nehmen Sie die Linie 109 oder 103 ist als Ersatzverkehr eingerichtet.“ Sprache es barsch zurück.

Da nun die Haltestelle Platz für sechs haltende Busse gleichzeitig hatte und jede Linie im Haltebereich gekennzeichnet war, konnte ich beim besten Willen nicht feststellen, wo denn nun der Ersatzverkehr halten sollte. „Tschuldigung, wo hält denn hier der Ersatzverkehr“ frug ich einen gerade in Zigarettenpause seiender Fahrer der Busse. „Ersatzverkehr gibt’s nicht, nehmen Sie die 166 ganz am Anfang.“ Am Ende der riesigen Haltebucht sah ich die Nummer 166 und war erstaunt über die da wartenden Menschenmassen, mittendrin eine Ansammlung von Servicemitarbeitern der EVAG, die unerschütterlich auf ihr Handy starrten. Meine Laune war nicht mehr wirklich die Beste, die der Blauen wohl auch nicht mehr.

Plötzlich piepten die kleinen Taschentelefone der Mitarbeiter nacheinander und es brach eine Hektik unter Ihnen aus. Sie schauten auf die Strasse nach links und rechts um sich bei der kleinsten, sich bietende Autolücke auf den direkten Weg zur gegenüberliegenden Haltestelle der Straßenbahn aufzumachen. „Sie fährt wieder“ und „endlich Feierabend“ waren die Wortfetzen, welche ich noch aufschnappen konnte. Bislang war ich immer der Meinung, dass Servicemitarbeiter zu Wohle der Kunden eingesetzt werden, gleich bei welchem Unternehmen, dazu da sind, Fahrgäste zu informieren, besonders in solchen unübersichtlichen Situationen.

Aber ich habe daraus gelernt, meine Abokarte habe ich gekündigt und ich sehe mich intensiv auf dem örtlichen Gebrauchtwagenmarkt um. Die 10 km nach Wattenscheid und die 10 km zurück erledige ich jetzt mit dem Fahrrad, es ist eh gesünder.

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