In den Fängen der Industrie

Vor ein paar Tagen konnte ich einem Angebot eines Discounters auf den Tischen nicht widerstehen und habe mich dazu hinreissen lassen, einen Wasserkocher mitzunehmen. Einer der deutlich hübscher ist als meiner, einer, der nicht diese ausufernden Maße hat und 1,7 l Wasser verschlingt. Nein, kleiner war er und, das war der eigentliche Antrieb meines Kaufes: Kabellos! Nicht mehr den Stecker ziehen beim Befüllen, auch nicht mehr beim Entleeren. Einfach nur abnehmen, Deckel öffnen, unter den Wasserhahn, Deckel zu, rauf auf das Rondell und den Kippschalter gedrückt. Alles easy, alles ganz einfach. Zu Hause dann ausgepackt, die Station ausgerichtet, das Kabel in die Dose, der Standort war also schon mal gefunden. Den Wasserkocher liebevoll ausgespiühlt und von Aussen mit einem feuchten Tuch gereinigt und anschließend auf Hochglanz poliert und in das Rondell platziert. Guter Anblick, nein hervorragender Anblick. Am nächsten Tag dann morgens die erforderliche Kleidung angezogen, damit dem mittlerweile eingesetztem Temperatursturz effektvoll begegnet werden kann und auf auf Zollverein, die neue, alte Kamera ausprobieren. Dabei vorher pflichtbewusst und ordentlich den alten Wasserkocher in den Keller getragen und im Regal verstaut. Es kam wie es kommen musste, ein kräftiger, nicht enden wollender Regenschauer überraschte mich und trieb mich nach ca. einer Stunde wieder in die heimatlichen Gefilde. Der Gedanke an einen frisch aufgebrühten Darjeeling lies mich fast alle Tropfen auf dem Heimweg ignorieren. Wasserbehälter aus der Halterung genommen, Deckel auf, Wasserhahn an und wieder rein in das Rondell und den Kippschalter in die untere Richtung bewegt. Dann die Teekanne präperiert, also Teefilter raus, über die Halterung gestülpt, in die Kanne gehängt und die erforderliche Dosis getrocknete Pflanzen in die schmale Öffnung des Filters bugsiert. Dann warten, einfaches Warten auf die geräusche, die Wasser verursacht, wenn es zum Kochen gebracht wird. Nicht, gespenstische Stille, kein gurgeln, kein Zischen, einfach nichts! Also ab in den Keller, 3. Stock ohne Fahrstuhl, dabei festgestellt, das die Deckenbeleuchtung in meinem Kellergang auch nur eine begrenzte Lebensdauer hat, das Schlüsselloch ertastet und wie ein Volltrunkener den Schlüßel unter Zuhilfenahme beider Hände irgendwie in das Schluß bekommen. Aufgeschlossen, alten Kocher, der ja noch griffbereit im Regal stand, geschnappt, im Schnellschritt wieder nach oben, ich sollte noch erwähnen, das ich im dritten Stock ohne Fahrstuhl wohne.

Kippschalter nochmal nach oben und wieder herunter, immer noch nichts, angefangen hektisch die Bedienungsanleitung zu suchen und zu lesen (als wenn man etwas beim anschließen eines Wasserkochers falsch machen könnte), keine neuen Erkenntnisse, Kabel rein, Wasser einfüllen, Deckel zu, aufstecken, Schalter gen Boden, warten bis fertig, das ist alles. Keinen Fehler begangen, beruhigte mich die Anleitung. Also Gerät kaputt. Nächsten Tag wieder den Weg in den Markt, vorher aber noch eine Ewigkeit den Kassenbon gesucht, 25 Minuten Fußmarsch, dann direkt an die Kasse, Kassiererin den in die Verpackung gequetschten Kocher mit dazugehöhrigem Bon hingehalten und nicht gerade freundlich gemurmelt: „Kaputt, taugt nix, funktioniert nicht, Geld wieder“. „Chef ist nicht da, kann das nicht umtauschen“ zischte mich die Kassenkraft an. „Hören Sie mal, von Umtausch war auch nicht die Rede, hier ist das kaputte Ding samt Kaufbeleg, da vor Ihnen ist die Kassenschublade, aufmachen, Kohle raus und damit ist die Sache erledigt“ so meine knappe und präziese Antwort. Nach einigem hin und her bekam ich dann mein Geld zurück und stampfte von dannen.

Mann sollte die Industrie dazu verpflichten, jedem Verbraucher Schadensersatz zu leisten! und Kassiererinnen wollten verpflichtet werden, freundlich zu sein.

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