Selbstüberschätzung

Viel war in den letzten Tagen zu lesen, über den Innenminister, die verschiedenen Sportverbände und deren (un)realistische Einschätzung zu den zu erwartenden Medaillen bei den olympischen Spielen. Was Olympia anbetrifft, oder besser gesagt, die Übertragungen in den beiden bundesdeutschen TV Programmen (ARD und ZDF), hält sich mein Interesse in Grenzen, das Einzige, was ich mir bislang angesehen habe, waren 20 Minuten Herrenhockey im Halbfinale gegen Australien. Ansonsten reichte mir ein täglicher Blick am Morgen auf den Medaillenspiegel um festzustellen, dass es in diesem Land nicht mehr so ist, wie uns immer vorgehalten wird. Warum also sollte Deutschland auch eine Erfolgsstory bei den olympischen Spielen sein, wenn es das auch nicht mehr in anderen Bereichen ist (sehen wir mal von den Praktiken zum Lohndumping, also dem Anstieg der prekären Arbeitsverhältnisse ab).

Jetzt wird also gestritten, mal wieder über das liebe Geld, genauer um die Sportförderung. Das ist der Betrag, den die Regierung an die nationalen Sportverbände überweist, damit das Volk alle vier Jahre im zweijährigen Wechsel zwischen Sommer und Winter, die schwarz rot goldene Flagge in Mitte und mit Untermalung der Nationalhymne, sehen kann und sich besser fühlt, so wie es sich gehört, für eine erfolgreiche Nation wie die Bundesrepublik. Erfolgreich im wirtschaftlichen und im sportlichen Bereich, so wie es sein muss. Das die Arbeitsverhältnisse, bei denen ein Lohn gezahlt wird, der zum Leben in diesem Land nicht mehr ausreicht auf Rekordhöhe angestiegen ist, wird geflissentlich übersehen.

Nun ist es so, dass diese Sportförderung etwas intransparent ist und sich ein Journalist sich ausführlich damit befasst hat und etwas Licht in das Dunkel bringen wollte. Jens Weinreich hat sich schon einen Namen gemacht, weil er auch das korrupte System im Weltfußball hinterfragt hat, nun stand eben die nationale Sportförderung auf dem Plan. Weil in unserer Republik ja alles immer so schön ist, vor allem so gerecht und völlig frei von Korruption und alle immer nur Höchstleistungen erbringen, zum Wohle des Staates, hat nun der Deutschlandfunk, bzw. Deutschlandradio die Zusammenarbeit mit Herrn Weinreich aufgekündigt. Einfach so, von einem Tag auf den Anderen. So erging es auch dem Journalisten, damals Chefredakteur beim Stern, Michael Jürgs. Das Fazit, was ich nun für mich ziehe: Kritik, besonders berechtigte ist in diesem, unserem Land nicht erwünscht. Dabei wäre es mal sinnvoll gewesen zu erfahren, wie hoch diese Sportförderung für einzelne Verbände war und was letztendlich bei den Aktiven (Sportler und Trainer) angekommen ist und wie hoch der Betrag ist, der bei den Verbänden für versickert ist. Und vor allem, welche Summen haben die einzelnen Verbände dafür aufgewendet, sich bei Olympia in Licht der Öffentlichkeit zu rücken, aufgeschlüsselt nach Personen und Kosten für Unterkunft. Wahrscheinlich wird die Summe aller Ausgaben für Funktionäre um einiges höher sein als für Sportler, aber es ist nur ein Gefühl.

Herrn Weinreich wünsche ich alles erdenklich Gute für seine berufliche Zukunft und das er sich nicht unterkriegen lässt!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter ... und das nervt

Eine Antwort zu “Selbstüberschätzung

  1. Johannes

    Die Freigabe der „Zielvereinbarungen“ hat allerdings nicht Herr Weinreich erstritten. Sondern Daniel Drepper und Niklas Schenck vom WAZ-Rechercheblog:

    http://www.derwesten-recherche.org/2012/08/olympia-minister-friedrich-zieht-mit-promi-kanzlei-in-die-nachste-instanz/

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